Posted: 20.06.2011, 01:22 Post subject: Todesfälle |
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Heute habe ich etwas erfahren, was mir zeigt, wie absonderlich und schön zu gleich dieser Beruf sein kann. Wie schafft es ein Mensch eine Premiere zu spielen, wenn er weiß, daß ein ihm sehr nahstehender Mensch gestorben ist. Wie will dieser Schauspieler die Menschen zum Lachen bringen, ja sogar zum Weinen. Weil man bevor man einen Zustand annähernd echt dem Zuschauer näher bringen kann, muss man das Gefühl verarbeitet haben, um damit arbeiten zu können. Also, wie kann man auf die Bühen gehen und spielen, und nicht bei dem Verstorbenen sein. Ich verstehe das nicht. Mich verwirrt dieser Zustand zutiefst. Ich habe es auch selber erlebt, und weiß bis heute nicht, wie ich diese Märchendoppelvorstellung hinter mich gebracht habe. Es war ein einziger dunkler Rausch, der an mir vorbeizog. Und jetzt im Nachhinein zu erfahren, daß dem Menschen über den ich gelacht und geweint habe, kurz zuvor erfahren hat, daß ein ihm nahestehender Mensch gestorben ist, verstört mich. Ich bekomme das nicht zusammen, und fühle mich sogar schlecht. Was für ein Preis den wir zahlen, um nur zu hören, daß man sich gut amüsiert hat. Ich weiß genau, was der Kollege gefühlt hat. Ich habe es so körperlich deutlich gefühlt, als es mir widerfahren ist. Ich möchte, daß niemanden wünschen, Lachen zu müssen, wenn man vor Trauer nur noch weinen möchte. Was für ein Preis!
Ich bin seitdem auch vorsichtiger geworden mit der vermeintlichen Professionalität, daß nur der eigene Tod einen davon hindert auf die Bühne zu gehen. Ich wäge heute stärker ab, und entscheide mich sehr oft gegen die Bühne. Das Theater nimmt einem alles, aber es gibt dir nichts. _________________ Ein blonder Italiener ist so selten wie das Glück.
von Carlo Goldoni |
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